Kein Masterplatz für dich!

Im Zuge der Bologna-Hochschulreform wurde auch an der HFBK ein kunstspezifisches Bachelor-/Mastersystem eingeführt. Die Umstellung auf das neue System geht an vielen Universitäten mit Anwesenheitspflicht, einer bestimmten Stundenanzahl „Workload“, enormer Effizienzdruck, der Selektionsschranke (fast schon Aussiebung) zwischen  Bachelor und Master und vielen anderen Aspekten einher. Die erhofften Ziele der Umstellung (Mobilität, geringere Abbrecherquoten, qualifizierte Berufsfrüheinsteiger, u.a.) wurden größtenteils nicht erreicht und überall wird der Ruf nach Abschaffung laut.
Aktuell thematisieren wir in der Studierendenschaft, als auch mit den Professor_innen und dem akademischen Mittelbau im Senat: „Was hat das alles mit Kunst zu tun?“

Die Fakten an der HFBK

Bisher fordert das BA/MA-System an der HFBK das Sammeln von Credit Points, die bestimmten Modulen entsprechen müssen. Die Regelstudiendauer wurde auf acht (BA), bzw. vier (MA) Semester begrenzt. Es entsteht nicht nur Zeitdruck, sondern auch  Leistungsdruck: Der Übergang von BA auf MA ist keine Fortsetzung, sondern ein Wettbewerb. Aktuell können die Professor_innen jedes Jahr nur zwei Masterplätze vergeben. Dazu ist es fast unmöglich, einen Master an einer anderen deutschen Kunsthochschule zu machen: der Großteil der Hochschulen hat sich gegen das BA/MA-System entschieden! Eine Anwesenheitspflicht gibt es bisher noch nicht. Dieses Prinzip könnte sich aber bald schon verselbstständigen.
Das BA/MA System verfolgt – auch an der HFBK – den Gedanken einer effizienteren, abprüfbaren, unkritischen Elite-Ausbildung. Es bewirkt einen schleichenden Prozess der Einmischung wirtschaftlicher Interessen in die ehemals freie und unabhängig Bildung. Die Entwicklung zu BA/MA resultiert in mehr Abschlüssen und weniger Bildung.
Daran muss etwas geändert werden!

Zur künstlerischen Realität

All dies wird in keiner Weise den unzähligen individuellen Arbeitsweisen, Präferenzen und Notwendigkeiten einer Kunsthochschule gerecht!
Wo passt Kunst mit Effizienz zusammen? Wo mit Kontrolle? Lässt sich die Qualität eines Künstlers überhaupt bestimmen? Wie kann es sein, dass die Studienzeit für alle Studierenden standardisiert ist, unabhängig von Studienfach und persönlichem Entwicklungsgrad? Von älteren Studierenden lernen Neuanfänger_innen vieles schneller – warum diesen Teil eines Wissenspools absondern, bevor die Jüngeren von ihm profitieren konnten? Entsteht durch das wachsende Übermaß an minderer Qualität nicht auch ein schlechter Ruf für eine Hochschule und kann dieser durch eine kleine Masterelite überhaupt wieder kompensiert werden?
Ein Kunststudium lässt sich nicht in Credits umrechnen und ist schwierig auf acht bzw. vier Semester zu begrenzen. Vielmehr fordert das Studium eine reflektierte selbstbestimmte Studiendauer! Unsere künstlerische Zukunft ist ohnehin schon von Wettbewerb und Konkurrenz geprägt, warum dies zusätzlich in der Kunsthochschule fördern und begünstigen?

Forderungen / Ideen

Die Abprüfbarkeit durch Credit Points muss wieder abgeschafft werden. CP belasten das Verhältnis zwischen Studierenden und Lehrenden. Als zwischen geschaltetes Kontrollinstrument zerstören sie beiderseits das Vertrauen und das Interesse in die Lehre.
Ist es möglich, den Bachelor-Abschluss als Vordiplom zu handhaben und fließend in den Master übergehen zu lassen? BA und MA könnten als ein Studienprogramm gesehen werden, wie es zum Beispiel in Stockholm der Fall ist.
Für alle Bachelor-Absolvent_innen, welche an der Schule ihren Master machen möchten,
muss es ausreichend Masterstudienplätze geben. Bachelor ist nicht gleich Diplom und wird es auch nie werden. Erst mit der Studiendauer von Bachelor UND Master ist man angehend so weit, einen künstlerischen Abschluss machen zu können.
Es gibt noch viel mehr Änderungspotential, über das wir alle gemeinsam nachdenken
müssen.

Für alle:
Wer sich in einer Arbeitsgruppe (bestehend aus Professor*innen, akad. Mittelbau und Studierenden) beteiligen möchte, bitte beim AStA melden. Das nächste Treffen der AG wird voraussichtlich stattfinden am: 10. Januar 2013 um 15 Uhr
Derzeit diskutiert die AG über die Situation an der HfBK und will dafür keine kurzfristige Lösung suchen, sondern die Thematik hochschulweit öffnen und zur Diskussion stellen.
Wer sich aktiv an der Überdenkung und Umstrukturierung des Systems beteiligen möchte: Bitte zur AG kommen!

Die Vertreter_innen der Studienschwerpunkte
und der AStA der HfbK

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