Stellungsnahme zum nationalen Stipendium auf Bundesebene:

Der AStA der HfbK gibt der Öffentlichkeit bekannt...

Stellungsnahme zum nationalen Stipendium auf Bundesebene:

Postby Ylva on 08.02.2010, 04:40

Der AStA der HfbK* lehnt das "nationale Stipendium" ab und unterstützt den Boykott der Studiengebühren an der HfbK Hamburg! (*Hochschule für bildende Künste)

Die CDU-CSU-FDP Koalition plant das sogenannte "nationale Stipendium" - schon der Bezug zur Nation ist bezeichnend für die Richtung des Programms. Das nationale Stipendium sieht eine elternunabhängige Begabtenförderung in Höhe von 300,-€ für 8% der Studierenden vor, welches zur Hälfte vom BUND und zur Hälfte von der Wirtschaft getragen werden soll. Im gleichen Zug soll das Büchergeld, welches die Stipendiat_innen der jetzigen Begabtenförderungswerke/Studienstiftungen erhalten, von 80,- auf 300,-€ erhöht werden. Auch dieses wird elternunabhängig bezahlt. Vor allem aber soll das nationale Stipendium sich ausdrücklich nach Begabung,
welche durch „gute Noten“ und von den Hochschulen definiert werden soll richten.

Wie die im April 2009 veröffentlichte Studie des Hochschulinformationssystems zeigt, sind unter den zurzeit von den Begabtenförderungswerken mit Stipendien versorgten 2% der Studierenden überdurchschnittlich viele aus bildungsnahen Schichten. Es ist also statistisch erwiesen, dass die soziale Herkunft die Bildungschancen bestimmt - warum nun also gerade die sog. "besonders Begabten", die in aller Regel aus akademischen Familien stammen und von daher schon bessere Voraussetzungen zum Verstehen, zum Lernen und zum Nachaußentragen ihres "Habitus" haben, welcher ihnen zu einem erheblichen Teil die "Legitimation" zur höheren Bildung verschafft, gefördert werden sollen, ist uns völlig unbegreiflich.

Vielmehr sollte Wert darauf gelegt werden, die sozial und wirtschaftlich bedingten Bildungshemmnisse bildungsferner Schichten abzubauen und genau diese Schichten explizit zu fördern.
Zu diesem Zielen gehören die Unentgeldlichkeit des Studiums, sowie ein voll zu bezuschussendes
und existenzsicherndes Bafög, welche allerdings auch nur Wegweiser auf der Karte der zu verändernden gesellschaftlichen Verhältnisse sein können, die leider nur allmählich eine Angleichung der Chancen in Form einer Etablierung ähnlicher sozialer Voraussetzungen schaffen können.

Es ist nicht zu begreifen, wie die Teilfinanzierung der Hochschulen durch Studiengebühren in den meisten Bundesländern einerseits aufrecht-erhalten werden soll, während andererseits auf Bundesebene plötzlich Geld für Stipendien locker gemacht werden kann, die jedoch wiederum nur den sozial besser Gestellten zu Gute kommen. Auch ist es nicht hinnehmbar, daß die Hälfte des Geldes für diese Stipendien aus der Wirtschaft und von Privaten kommen soll, welches die Hochschulen untereinander im ökonomischen Wettbewerb um Forschungsprämissen der Geldgeber selbst an-werben müssten. Dass die Hochschulen ihre Stipendiat_innen inhaltlich frei von den Forschungsprämissen der Geldgeber,
um die sie konkurrieren müssten, vorschlagen könnten, klingt wie Hohn!

Hier findet eine Forcierung der Privatisierung von Bildung statt, die endlich ein Ende haben muß! Freie und unabhängige Forschung und Lehre, die allen unabhängig von ihrer sozialen Herkunft offen steht und somit eben nicht nur einseitige Interessen der Besser-Verdienenden und der Wirtschaft verfolgt, sondern kritisch und damit auch die Gesellschaft voranbringend bleibt, ist so nicht möglich!

Wir fordern daher den Bund auf, das Geld, welches er vorrangig 10% der Studierenden aus den Schichten des Bildungsbürgertums zu gute kommen lassen will, für eine umfassendere
Reform der Bildungsfinanzierung auszugeben. Diese muß vorrangig eine Erhöhung des Bafögs auf einen die Existenz sichernden, den Mehraufwand durch ein Studium abdeckenden und voll zu bezuschussenden Betrag beinhalten, der unter diesen Prämissen dann auch familienunabhängig gezahlt werden sollte. Ferner muß auf Bundesebene die Festschreibung der Unendgeldlichkeit von Ausbildung per Gesetz erfolgen, um einen Grundstein auf dem richtigen Weg zu legen.

Mit diesem Hintergrundwissen um eine ungerechte Verteilung von Bildungszugängen unterstützen wir den Boykott der Studiengebühren an unserer Hochschule, den 30 % von uns HfbK-Studierenden trotz angedrohter Kontenpfändungen seit 2007 aufrecht-erhält und führen diesen mit einstimmigem Beschluß der Vollversammlung vom 1.2.2010 auch weiter.
Wir fordern damit das Land Hamburg auf, die Studiengebühren endlich, an dritter Stelle nach den CDU-dominierten Bundesländern Hessen und Saarland zum SS 2010 wieder abzuschaffen!

AStA* HfbK & Studierende der HfbK
*allgemeiner Studierendenausschuss der Hochschule für bildende Künste Hamburg
Infos auf: http://www.HfbK.de
 
 
 
 
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